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Donald Trump, Mobster Inc. & Law of Attraction

Präsident Trump reflektiert nicht zuletzt die esoterische Obsession, dass jeder im Leben alles erreichen kann, was er will. Eignung? Zweitrangig. Mit der richtigen Gedanken- & Gefühls-Power steht einem schliesslich die ganze Welt offen – ach was, das Universum!

Das ist einerseits verlockend, hat aber eine dunkle, gefährliche Kehrseite, wie man sehr schön am Beispiel Trump sehen kann. Und bringt Eltern rund um den Globus in Verlegenheit, wie sie ihren Kindern erklären sollen, wenn ihr wenig gebildet seid und nur über eine kurze Aufmerksamkeits-Spanne verfügt, rücksichtslos, korrupt, beleidigend und immer auf euren eigenen Vorteil bedacht seid, nicht bezahlt für erbrachte Leistungen, Steuern prellt und bescheisst, wo immer ihr könnt und darüber hinaus noch jede Menge verbalen & virtuellen Mist absondert – dann steht euch die ganze Welt offen!

Trump hat schon in den 80er Jahren medienwirksam hinausposaunt, er könne alles im Leben erreichen mit der richtigen Gedanken- & Gefühls-Power. So ähnlich wie es die heutige Management-Esoterik rund um den Erdball verkündet. Nicht viel anders äusserte sich Jahrzehnte früher schon der inoffizielle «Prime Minister» von New York, Frank Costello: «When you decide to be something, you can be it.» Beide Männer bewohnten luxuriöse Suiten an bester Lage in New York – im Trump Tower bzw. Waldorf Astoria. Beide lieb(t)en Macht, Einfluss, Geld und Ansehen. Beide dirigier(t)en & manipulier(t)en gerne. Beide lieb(t)en Amerika und sehnten sich nach einem wichtigen Amt. Beide schätz(t)en die schönen Dinge des Lebens und sind bzw. waren ungemein eitel. Als Frank Costello zu einem wichtigen Gerichts-Termin erscheinen sollte, rieten ihm die Anwälte, anstatt seiner geliebten Massanzüge doch lieber einen einfachen, schlecht sitzenden Anzug anzuziehen. Am besten ein, zwei Nummern zu gross, um abgemagert auszusehen. Darauf Frank Costello: «I’d rather blow the case.» Eher vergeige ich den ganzen Fall.

Ersterer avancierte zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Letzterer wurde langjähriger Mafia-Boss von New York. Der Präsident einer verrückten Welt & der Prime Minister der Unterwelt. Ich habe mich in letzter Zeit öfter bei Vergleichen ertappt – und ich sage es nicht gerne, aber Donald Trump sieht etwas alt dabei aus.

Der Umgang mit «Licht & Schatten» ist eines der grossen Themen unseres Lebens. Wir brauchen nur an einem sonnigen Tag hinauszuschauen, um festzustellen, dass dort, wo viel Licht ist, auch viel Schatten fällt. Positives Denken im Sinne von «mit positiven Gedanken & Gefühlen nur noch Positives anziehen» und das Schmerzliche & Schreckliche den lieben Mitmenschen überlassen, die zu faul oder zu blöd sind, positiv zu denken – das wird in dieser unsinnig-vereinfachten Form nur sehr bedingt funktionieren. Alles im Leben hat verschiedene Seiten. Schon Rilke – und viele andere – lehrten uns, dass das Schöne nur des Schrecklichen Anfang ist, und genauso auch umgekehrt. Dass das Schöne und das Schreckliche unaufhaltsam ineinander überfliessen wie Sonne & Wolken im Himmel über New York oder im Himmel über Berlin. Und dass es Dinge gibt, die niemand von uns einfach schön-denken oder schön-reden kann – nur aushalten. Und aushalten ist manchmal schon sehr viel.

Ich will nichts schön-reden: Frank Costello war keine Licht-Gestalt, sondern ein gerissener Taktiker, der die New Yorker Eliten manipuliert, bestochen & korrumpiert hat, um möglichst ungestört seinen lukrativen Glücksspiel-Tätigkeiten nachgehen zu können. Er verband clever & charmant die schönen, hellen Seiten dieser Welt mit den dunklen, abgründigen. Und trotzdem ist es erstaunlich, dass sich jemand wie Costello so lange an der Spitze der Mafia halten konnte. Frank war ein guter «Earner», hat gut Geld gemacht – in der Mafia schon mal die halbe Miete. Und dann natürlich seine Kontakte in die höchsten Kreise. Aber er war eben auch ein viel zu «weicher Käse» für diese gewaltbereite Organisation, deren Weg mit so vielen Leichen gepflastert ist. Costello war ein untypischer Mobster, ein Mann mit viel Herz & Verstand, mit Charme & Witz, mit Idealen und einem Gewissen. Unter dem Strich muss er sich wohl nicht verstecken vor dem 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Ich habe die beiden Protagonisten letztes Jahr in einem Gangster-Song zusammengebracht, nicht zuletzt in der Befürchtung, dass wir es schon bald mit einem «Präsidenten Trump» zu tun haben werden. Und dass sich diese eingangs erwähnte esoterische Obsession des «Jeder-kann-alles-werden» im Fall von Trump vielleicht nur mit viel «Champagner Supernova» ertragen lässt. Und dass andererseits auch ein «König der Unterwelt» seine guten Seiten hat:

Welcome «At the Captain’s Table»!
https://youtu.be/diYzzP9uKO4 
http://www.besser-fernsehen.ch/blog/entry/welcome-at-the-captain-s-table.html 
http://www.besser-fernsehen.ch/blog/entry/at-the-captain-s-table.html

Thinking back of Frank Costello / Trying hard to be much more
Than just a rich & famous mobster / Something well worth living for
Francesco growing up in Harlem / In a Gangsta neighbourhood
Could have been a Prime Minister / Way beyond the Mob, for good
Frank said to the boys on Wall Street / We are doing the same thing
Gambling with the people’s money / In the casino – in the ring

Ich möchte nur einige ausgewählte Punkte beleuchten:

Immigranten & Juden

Wie Trump zu diesen Themen steht, ist einschlägig bekannt – obschon man in seinem eigenen Stammbaum nicht weit zurückschauen muss, um auf Immigration zu stossen.

New York ist historisch betrachtet ein Auffangbecken für Immigranten aus aller Herren Länder. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts sind besonders viele arme Einwanderer aus Italien nach Amerika gekommen, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Viele landeten irgendwo in den Slums von Brooklyn oder Harlem, wo bittere Armut & Kriminalität regierten. Um diesem Elend zu entfliehen, schlossen sich eine Menge Kinder & Jugendliche einer der zahlreichen kriminellen Banden jener Zeit an – oder gründeten gleich selbst eine Gang mit Gleichgesinnten. Und so landeten nicht wenige italienische Einwanderer früher oder später bei der italo-amerikanischen Mafia, der «Cosa Nostra» (= unsere Sache). Ihre Sache waren Alkohol-Schmuggel und später Drogen-Handel, Auto-Diebstahl, Benzinpreis-Manipulation, illegales Glücksspiel, Wucher, Bestechung, Schutzgeld-Erpressung, Unterwanderung der Gewerkschaften und weitere kriminelle Tätigkeiten.

Frank Costello, der spätere «Prime Minister» (sein Spitzname nicht nur innerhalb der Mafia), kam als kleiner Knirps mit seinen Eltern in die USA. Die Atlantik-Überfahrt verbrachte er grösstenteils in einem grossen Koch-Topf. Schon früh setzte er alles daran, der bitteren Armut seiner Familie & Umgebung zu entfliehen. Sein Leben lang strebte Costello nach Bildung & Wissen, nach den schönen Künsten, nach Wohlstand & Anerkennung und v.a. danach, ein echter Amerikaner zu sein, respektiert & geschätzt von seinen Mitmenschen. Gerne hätte der intelligente Junge eine gute Ausbildung genossen – aber er sah damals nur den illegalen Ausweg für sich. Andere sind nach Harvard oder Yale geschickt worden, meinte er später, aber ich wurde im Regen stehen gelassen wie ein feuchter Pilz. Und Francesco Castiglia legte sich erst einmal die irische Version seines Namens zu: Frank Costello. Und dann eroberte er – an der Seite so namhafter Weggefährten wie Arnold Rothstein oder Lucky Luciano – die New Yorker Unterwelt.

Schon als Jugendlicher versuchte er zu vermitteln zwischen Banden-Mitgliedern der italienischen, irischen und jüdischen (Koscher) Mafia. Verbündete von Lucky Luciano und Frank Costello wie etwa die jüdisch-stämmigen Benjamin «Bugsy» Siegel oder Finanz-Genie Meyer Lansky wurden immer wieder von Mitstreitern wie Vito Genovese als unwillkommene Eindringlinge & Ausländer beschimpft. Da ging Frank Costello energisch dazwischen und stellte klar: «Shut the f*ck up, wir sind alle Immigranten hier.»

Kommunikation & Freundschaft

Costello war gewissermassen ein moderner Mobster und suchte bereits in den 40er Jahren während zwei Jahren regelmässig einen Psychiater auf. Er konnte die vielen gewalttätigen, abgestumpften Mafiosi um sich herum nicht mehr ertragen – und der Psychiater riet ihm, andere Bekanntschaften ausserhalb der Mafia zu suchen: mit Politikern, Architekten, Designern, Schriftstellern, Schauspielern etc. Und siehe da, es hat geholfen, zumindest teilweise. Wäre das allerdings schon damals publik geworden, hätte es ihn Kopf & Kragen gekostet. So aber wurde das Thema später in allerlei Mafia-Filmen & -Serien aufgegriffen – genauso wie viele andere Motive aus der Cosa Nostra-Realität.

Frank war zwar ein Sturkopf, konnte aber auch zuhören – nicht nur beim Psychiater. Und er war bereit, andere Meinungen gelten zu lassen, wenn gute Argumente vorgebracht wurden. Auch seine Ausdrucksweise hat das frühere Gossen-Kind aus dem East Harlem Ghetto angepasst – Costello sprach und handelte meist bedächtig & überlegt. Kommunikation im Trump-Stil wäre seine Sache nicht gewesen.

In jüngerer Vergangenheit wurde der ganze Unsinn noch um «kreative» Neu-Definitionen unschmeichelhafter Begriffe ergänzt. Das Trump-Berater-Team hat ja bekanntlich das Wort «Lügen» durch den Begriff «alternative Fakten» ersetzt. Wahrscheinlich hat man von Donald zu oft Sätze gehört wie «I don’t tell lies, just fiction short stories». Oder: «They weren't lies. They were enhanced explanation techniques.» Oder: «Ich lüge nicht. Ich passe nur die Wahrheit der jeweiligen Situation an.» Oder: «Meine Meinung steht fest. Verwirrt mich nicht mit Fakten.» Und und und.

Mich erinnert das an etwas anderes, das ich mal irgendwo im Internet aufgeschnappt habe: «If everyone in the band Garbage took out their garbage on garbage day and then the garbage men came and tossed Garbage's garbage in the garbage dump with the other garbage, there still wouldn't be as much garbage as there is in these statements.»

Hat jemand wie Trump echte Freunde, die nicht nur verkappte Profiteure sind wie allen voran die zahlreichen Familien-Mitglieder? Ich weiss es nicht. Von den meisten «Geschäfts-Freunden» aus der Vergangenheit weiss man, dass sie wenig Lust auf weitere Deals mit Donald verspürten. Nun sind natürlich allerlei Regierungs-Aufträge zu vergeben – da springt man schon mal über den eigenen Schatten.

Frank Costello pflegte Freundschaften mit ausgewählten Mafiosi, aber auch mit Politikern, Richtern, Künstlern und Menschen aus ganz unterschiedlichen Gesellschafts-Schichten. Ein langjähriger Freund war etwa Schauspieler Anthony Quinn. Costello, so Quinn, wollte nie über die Mafia und seine Vergangenheit sprechen – doch man hätte stets die Last seines Gewissens wahrgenommen. Er wollte aber auch nicht schön-reden. Als einmal jemand am Tisch immer wieder auf das Thema zurückgekommen sei, habe Costello schliesslich eine Weile nachgedacht, in die Ferne geschaut und dann ruhig & abschliessend geantwortet: «I never sold no bibles …» Bibeln hab‘ ich nie verkauft. Costello schien mit dieser Antwort so zufrieden, dass er sie fortan öfter benutzte.

Donald Trump hätte er wohl folgenden Rat gegeben: «Never miss a good chance to shut up!»

Frauen & Wohltätigkeit

Trump und die Frauen – da ist (fast) alles gesagt. Es gibt einfach zu viele Zitate, Tweets, Ton- & Bild-Aufnahmen etc. von unbedachten, dummen, abschätzigen und frauenverachtenden Kommentaren. Als mächtiger, reicher Mann, so Trump, könne man praktisch jede Frau haben. Kurz angrabschen, und die Sache sei geritzt. Passt ihm jemand nicht, textet Trump Blödsinn wie: «Ihr Körper ist ganz ok, aber sie müsste einen Sack über den Kopf ziehen.»

Bei der aktuellen Gattin Melania ist man allerdings geneigt zu glauben, sie sei ganz froh, dass ihr andere Damen gewisse «Jobs» abnehmen. Melania scheint jede Möglichkeit zu ergreifen, nicht unter der gleichen Decke bzw. unter dem gleichen Dach wie Trump schlafen zu müssen. Und falls es sich nicht vermeiden lässt, glaubt man sie sagen zu hören: «Sprich mich bitte nicht an! Ich brauche morgens meine 24 Stunden.»

Frank Costello indessen wusste sich als Gentleman aufzuführen. Er hat Frauen grundsätzlich mit Respekt behandelt. Nicht dass er keine Affären gehabt hätte (schöne Frauen gehörten zum Mafia-Lifestyle wie teure Anzüge ...) – aber er ist sehr viel diskreter damit umgegangen als die meisten Mafiosi oder Trumps dieser Welt. Seine Frau, Loretta «Bobby» Geigerman, eine hübsche Brünette mit jüdischen Wurzeln, die er bereits als Teenagerin geheiratet hatte, war zeitlebens seine Nummer 1. Obschon das Paar keine Kinder bekommen konnte, blieben die beiden bis zu Franks Tod zusammen, verbunden in Zuneigung & Respekt.

Frank fühlte sich gewissen Idealen verpflichtet – so hat er vielen Menschen geholfen, in den USA ebenso wie in der alten Heimat. Er wollte ruhig schlafen können nachts. Das hat ihn von vielen Mafia-Aktivitäten abgehalten, auf die sich andere noch so gerne gestürzt haben. So war er etwa gegen den Drogen-Handel – ursprünglich kein Mafia-Zweig, aber angesichts der lukrativen Margen im Heroin-Handel wollten viele Mafiosi nicht abseits stehen. Frank Costellos Domäne war das Glücksspiel, das ihn zu einem sehr reichen Mann gemacht hat, der sich in einer Suite des luxuriösen Waldorf Astoria-Hotels einrichtete. Und wo ihn später ein gnädiges Schicksal davor bewahrte, 1957 bei einem Attentat getötet zu werden. Hinter dem Anschlag steckte das langjährige «Familien-Mitglied» Vito Genovese – ein Mafiosi ganz anderer Machart, hinterhältig, brutal & gewalttätig – ein Gift-Zwerg, der jedes Problem dieser Welt mit einer Kugel lösen wollte …

Frank indessen setzte primär auf Gespräche & Verhandlungen. Und auf Charity – erst öffentlich, dann immer diskreter. So spendete er etwa anonym gewaltige Geldsummen an Waisenhäuser. Auch Donald Trump liebt den grossen Auftritt bei wohltätigen Anlässen. Nur blieben viele seiner Charity-Checks ungedeckt – bezahlen sollen dann doch lieber andere. Donald lächelt & hechelt dafür auf dem Golfplatz. Genauso wie Frank. Beide mach(t)en nicht die beste Figur dabei – aber Frank galt wenigstens als amüsanter Erzähler in seinen Klubs. Donald hatte seine Finger in einigen äusserst unrühmlichen Golf-Projekten diesseits und jenseits des Atlantiks. Trotzdem ist er vielleicht gar nicht so schlecht aufgehoben auf dem Golfplatz. «The New Yorker» äusserte sich unlängst wie folgt: «If Donald Trump could be persuaded to spend his entire term playing golf, we might all be better off.» Wenn man Trump überzeugen könnte, seine gesamte Amtszeit auf dem Golfplatz zu verbringen, wären wir vielleicht alle besser dran.

Dort könnte er dann Gattinnen prominenter & betuchter Männer bezirzen, vielleicht altersmässig nicht ganz seine Zielgruppe, ein bisschen in die Jahre gekommen, die Model-Karriere schon lange hinter sich, den «Champagner Supernova» neben sich – die perfekte Kulisse für eine gehobene Beschäftigungs-Therapie namens Charity. Ein Spielfeld für Damen, die gerne zum Mikrofon greifen – und ein Publikum, dem es nichts ausmacht, dass die Stimmen noch schlimmer sind als die Probleme.

Ich konnte mir denn auch einen kleinen Auftritt einer Charity-Lady, Trump-Verehrerin & Hardcore-Esoterikerin am Ende von «At the Captain’s Table» nicht verkneifen:

Meanwhile Tony’s next door neighbour / Is working with her Vocal Coach
For the Charity this evening / And the love & peace approach
The Lady‘s into New Age teachings / Enlightenment, a mindful way
And thanks to «Champagne Supernova» / She makes it somehow through the day

Wirtschaft & Korruption

Anfang der 30er Jahre führte Charles «Lucky» Luciano aus der Geschäfts-Welt entlehnte «Strukturen» in der Mafia ein, welche die internen Probleme & Gewalttätigkeiten reduzieren und für ungestörte(re) Geschäfte sorgen sollten. Diese «Professionalisierung» hat die Mafia-Organisation während Jahrzehnten geprägt, auch wenn die Zielsetzungen natürlich nur teilweise erreicht werden konnten. Und auch wenn «Lucky» selbst bereits in den 30er Jahren inhaftiert und später aus den USA ausgeschafft worden ist.

Damals übernahm sein langjähriger Vertrauter Frank Costello die Führungs-Rolle in der «Familie». Frank war der beste Netzwerker (wie man heute sagen würde), den die Mafia je hatte. Er knüpfte Kontakte in die allerhöchsten Kreise, zu namhaften Politikern, Richtern, zu allen möglichen Entscheidungs-Trägern genauso wie zur schönen Welt der Künste. Costello hätte zweifellos auch eine grosse Nummer in der «legalen» Welt werden können, wären die Weichen anders gestellt gewesen. Er war zeitlebens ein grosser Vermittler & Versöhner – und im Gegensatz zu den meisten seiner Mafia-Kollegen wenig angetan von Gewalt & Mord. In der Jugend trug er zwar eine Schusswaffe auf sich, wie die anderen Banden-Mitglieder auch – aber später im Leben nicht mehr. Er wollte auch keinen Leibwächter – das sind die ersten, die bestochen werden, meinte er ganz richtig.

Zu einem jungen Mann aus der Wirtschafts-Welt sagte er einmal: «Schauen Sie, im Grunde machen wir beide dasselbe: Wir spielen mit dem Geld anderer Leute – ich in meinen Casinos, Sie an der Wall Street.» Wer kann oder will da widersprechen. Es war angeblich der Beginn einer langen Freundschaft …

Frank Costello war sehr erfolgreich und brachte es zu grossem Vermögen – bereits während der Prohibition mit Alkohol-Schmuggel und später vorwiegend mit lukrativen Glücksspiel-Aktivitäten. Aber er wusste auch, wann es Zeit war aufzuhören. Nach einem misslungenen Attentat auf seine Person trat er unverzüglich in den «Ruhestand» und liess sich später auch nicht mehr zu einem Comeback überreden. Im Gegenteil: Er war sehr bestrebt, fortan noch mehr mit «normalen» Leuten zu verkehren, normale Freundschaften zu pflegen, ein ehrenwerter Amerikaner zu sein. Frank Costello hat Amerika aufrichtig geliebt – wahrscheinlich viel mehr als Donald Trump, der zuallererst einmal sich selber liebt. Nach Franks Tod wachte Witwe Loretta darüber, dass nur Verwandte, engste Freunde und Medien-Vertreter dem Toten ihren Respekt bekundeten. Am Ende wollte Costello demonstrieren, dass er mit dem lauten Gangstertum der Mafia-Killer nichts mehr zu tun hatte. Er starb als friedlicher Bürger, scheinbar (einigermassen) respektiert von der Gesellschaft.

«Es war immer mein Bestreben, mit anständigen Leuten zu verkehren», so Costello. Aber was heisst das schon? Für «anständig», «seriös» oder «ehrlich» gibt es weder in der Mafia noch im Trump-Universum eine genaue Definition. Alles vermischt sich, gut & böse, korrupt & noch korrupter, die Welt & die Unterwelt – und Ost-Halunkistan, West Corruptington und Lari Fari Fari sind längst überall. Sunny Places for Shady People, sonnige Plätzchen für allerlei schattige Gestalten und strahlende Inseln für dunkle Steuer-Machenschaften finden sich rund um den Globus. Wo viel Licht, da viel Schatten. Präsident Trump beeilt sich mittlerweile zu sagen, Mord-Aufträge liessen sich unter gewissen Umständen durchaus rechtfertigen. Das kennen wir doch: ach ja, von Putin etwa oder von der Mafia. In Sachen Korruption & Co. lassen sich nun wirklich kaum mehr Unterschiede feststellen.

Das ist natürlich alles kein Votum für einen Präsidenten Costello. Aber letztlich wahrscheinlich noch weniger für einen Präsidenten TrumpDuck. Und wenn ich die Wahl hätte zwischen nur gerade diesen beiden Kandidaten, würde ich vielleicht dem «Prime Minister» eine Chance geben.

Die Welt braucht sensitive, visionäre Leader!
Sie sind mitten unter uns – nur meistens weit entfernt von den Schalthebeln der Macht.

An der Macht sind dafür oft Leute, bei denen wir uns fragen, wie sie auch nur in die Nähe eines solchen Amtes gelangen konnten (obschon wir die traurige Wahrheit nur zu gut kennen …). Heute fühlen wir uns oft wie mitten in einer Folge der TV-Serie «The Sopranos» aus dem italo-amerikanischen Mafia-Milieu: «The fastest way to clean a weapon is another hit.» Der schnellste Weg, eine Waffe zu säubern, ist jemand anders zu erschiessen. Der schnellste Weg, von einem Skandal abzulenken, ist ein neuer Skandal. Und noch einer, und noch ein weiterer. Wir können die vielen Fehltritte schon längst nicht mehr zählen … und wie sehr man sich auf diese Weise erpressbar macht.

And they all wanna fly much higher than the Empire State
And look down on the others, all those tiny little lights
Of course we take Manhattan – and you bet we take much more
The «Ravenite» is history – but sure not blood & gore
They’re walking down the «High Line Park» as light begins to fade
Just basking in that splendid feeling of «I‘ve got it made»
And they all wanna sit / At the Captain’s Table

«Try to remember the times that were good», versuch‘ dich an die guten Zeiten zu erinnern, war das Lebens-Motto von Frank Costello. «Try to remember the times that were good» war auch eine der letzten Bemerkungen von Tony Soprano aus «The Sopranos», bevor es dunkel wurde auf unseren Bildschirmen.

Möge es auf dieser Welt nicht noch dunkler werden.

«We must try to contribute joy to the world. That is true no matter what our problems, our health, our circumstances», gab uns Film-Kritiker Roger Ebert mit auf den Weg. «We must try. I didn’t always know this and am happy I lived long enough to find it out.» Eberts Lieblings-Komponist war übrigens Nino Rota, der die Musik für den Film «The Godfather» (Der Pate) geschrieben hat.

Auch Donald Trump hat sich «The Godfather» zu Herzen genommen: «It's dangerous to be an honest man.»

 

PS: Die amerikanische Mafia hat italienische Wurzeln und war über Jahrzehnte in sogenannten «Familien» organisiert. Die amerikanische Organisation nannte sich selber nicht «Mafia», sondern «La Cosa Nostra» (= unsere Sache). So gab es in New York fünf traditionelle «Familien» mit Boss, Under-Boss, Consigliere/Berater sowie einigen Capos/Captains und diversen Soldiers/Members, die mit einer Vielzahl von Associates/Verbündeten zusammen arbeiteten. Diese «Familien» kontrollierten viele wichtige Geschäfts-Bereiche & Gewerkschaften. Seit den 90er Jahren verschwanden allerdings viele Mafiosi in Zeugenschutz-Programmen. Andere sitzen im Gefängnis, wurden von früheren Weggefährten erschossen oder haben sich anderen Tätigkeiten zugewandt. Die «Familien» in ihren alten Strukturen – mit ihrer enormen Macht, ihrem weitreichenden Einfluss und den gewaltigen Einnahmen – gibt es nicht mehr. Reste der amerikanischen «Cosa Nostra» existieren natürlich weiterhin und sind auch heute noch aktiv – aber die «guten alten Zeiten» der New Yorker Mafia sind vorbei.

PPS: Wer schon immer mal wissen wollte, wie es mit den «Sopranos» weitergegangen ist, nachdem es auf unseren Bildschirmen dunkel wurde – dem verrate ich das natürlich gerne:

«The Sopranos – Episode 87 – The Final Countdown» (deutsch & englisch)
http://www.besser-fernsehen.ch/blog/entry/the-sopranos-episode-87-the-final-countdown-1.html 
http://www.besser-fernsehen.ch/blog/entry/the-sopranos-episode-87-the-final-countdown.html

«Donald Trump, Frank Costello & The Law of Attraction» (englisch)
http://www.besser-fernsehen.ch/blog/entry/donald-trump-frank-costello-the-law-of-attraction.html

Blog-Artikel zu diversen Themen
www.besser-fernsehen.ch/blog.html

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