BesserFernsehen, Medien, Musik, Inspiration & Wellbeing
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„Hand-Knit“ statt „Scripted Reality Doku Sh!t"

Meine Erwartung ans Fernsehen ist ganz einfach: Gute Unterhaltung (man darf sich zuweilen auch unter seinem Niveau amüsieren …) und/oder eine Form von Horizont-Erweiterung (die mich anspricht).

Qualitäts-Fernsehen weckt das Bewusstsein, schärft die Sinne, regt Denken & Fantasie an, erweitert den Horizont und/oder macht ganz einfach Spass. Viel zu oft bleibt beim Fernsehen aber ein vages Gefühl von Verdruss und Zeit-Verschwendung zurück, von „Gelebt-Werden“ und weniger von „Inspiration fürs Leben“. Es wird immer mehr inszeniert, manipuliert, emotionalisiert und billig kopiert – denn wer kriecht, der stolpert bekanntlich nicht. Das erstaunt angesichts der vielen Milliarden Gebühren-Gelder und der weiterhin üppig sprudelnden Werbe-Einnahmen. Da müsste den Zuschauerinnen & Zuschauern doch eigentlich ein richtig tolles Programm geboten werden …

Stattdessen erscheint einem das Fernsehen oft als Abflussrohr der Welt ins Wohn- oder Schlafzimmer, das TV-Programm lediglich als Überbrückung von einer Werbe-Insel zur nächsten. Comedian & Autor Michael Mittermeier drückte sich kürzlich gegenüber Focus Online noch extremer aus und schimpfte lautstark über das heutige „Volldeppen-TV“: „Während das (amerikanische) Ausland tolle Serien produziert, schauen wir uns „Scripted Reality Doku Sh!t" jeglicher Art oder Menschen in der Wüste an, die das Klischee eines weissen Kolonial-Volldeppen bedienen. Das deutsche Fernsehen hätte durchaus auch Geschichten zu erzählen. Man müsste sie nur ins TV bringen. Jemand muss einfach mal die Eier dazu haben.“

Und auch Satiriker, Autor & Schauspieler Oliver Kalkofe spricht gegenüber MEEDIA Klartext und nennt seine aktuellen TV-Highlights des Grauens: „Einmal sind es die vielen namenlosen Scripted-Reality-Formate, die wir gar nicht mehr auseinanderhalten können. Also ‚Pures Leben‘, ‚Mitten im Leben‘, ,Verdachtsfälle‘, ‚Betrugsfälle‘, ‚Durchfälle‘ ... Das Nachmittags-Programm der Privaten halt. Fast noch schlimmer sind die vielen zynisch bösen Kuppel-Shows. So was wie ‚Schwiegertochter gesucht‘ oder ‚Schwer verliebt‘. Da werden Menschen, die nah am betreuten Wohnen vorbeigeschrammt sind, aufs Ekelhafteste vorgeführt. (…) Es ist immer schlimmer geworden und es wird auch noch schlimmer, weil bei den Sendern Zynismus ausgebrochen ist. Wenn man mal 15, 20 Jahre zurückschaut, dann waren die Privaten zumindest noch gewillt, etwas zu machen. Sie wollten zeigen, was sie können. Das war zwar sehr oft kreativer Irrsinn, aber sie haben sich immerhin was getraut. Heute geht es nur noch darum, wie man mit wenig Geld & Mühe am meisten Sendeplatz füllt. Der Grossteil des heutigen Programms ist einfach nur ein Riesen-Haufen Elefanten-Sche!sse – und die Verantwortlichen wissen es auch selber. Diese Sendungen will niemand sehen, nicht einmal die Macher selbst, man macht Programme und lacht über die Leute, die sich den Müll tatsächlich anschauen. Man produziert so schnell & billig, dass es kurzfristig selbst als Flop noch ein Plus erwirtschaftet, aber langfristig macht es die Sender kaputt, weil man sich das eigene Profil ruiniert – und irgendwann merkt das auch das Publikum und verabschiedet sich. Herz, Spass und Verantwortung dem Publikum gegenüber – für diese Begriffe wird man heutzutage im Fernsehen eher ausgelacht. Und die Öffentlich-Rechtlichen sind feige und verstecken sich. Sie müssten innovativ, mutig & kreativ vorgehen und uns jeden Tag neu überraschen. Sie sollten eigentlich zeigen, wie man es besser macht, müssten für kontroverse Diskussionen sorgen – sie dürfen das und wir bezahlen sie sogar dafür. Stattdessen schwimmen sie in der gleichen lauwarmen Suppe wie vor 30, 40 Jahren und man versucht, bloss nicht aufzufallen und es der ganzen Familie vor dem Fernseher recht zu machen. Nur gibt es die nicht mehr so wie damals. Statt Innovation herrscht kreativer Stillstand: Wenn man nur schnell genug stillsteht, sieht es fast so aus, als würde man sich bewegen.

Oliver Kalkofe weiter: „Die Öffentlich-Rechtlichen sollten das Publikum nicht ständig fragen, ob es schon die TV-Gebühren gezahlt hat. Stattdessen sollten sie sich jeden Tag beim Publikum entschuldigen: ‚Entschuldigen Sie dieses langweilige Programm, aber wir sind schon sehr alt und ziemlich faul. Es tut uns herzlich leid.‘ So sollten die Verantwortlichen von Haus zu Haus gehen.“

Dieser Beitrag handelt auch von meinen eigenen Bemühungen, inspirierende Themen ins Fernsehen zu bringen. Mit einfach(st)en Mitteln, aber viel Engagement für anregende Inhalte aus verschiedenen Bereichen des Lebens.


Der Meister selber (schauen Sie gelegentlich mal auf YouTube unter „Kalkofes Mattscheibe Rekalked“ nach … vor allem, wenn‘s schon länger nichts mehr zu lachen gab … meine aktuellen Favoriten finden sich übrigens am Ende dieses Artikels) hat trotz aller Kritik dem TV keinesfalls abgeschworen. Im deutschen Fernsehen gefällt ihm zum Beispiel die "heute-show" (da kann ich mich nur anschliessen …): „Die ist versehentlich ein Erfolg geworden und wurde vom ZDF nicht kaputtgemacht, weil sie zu spät reagiert haben. Sie ist jetzt einfach da und wird auch immer besser. (…) England und Amerika machen es uns vor und bringen so fantastische Serien im Fiction-Bereich, die besser sind als Kino und einfach ganz grosse Kunst darstellen. "Breaking Bad", "Homeland", "Dexter", "Game of Thrones", "Doctor Who", "The Walking Dead" ... man kommt gar nicht hinterher. Die Serien sind wahnsinnig gut geschrieben, gespielt & produziert, so dass man vor Begeisterung nur niederknien möchte.“ Stimmt. Es gibt viele tolle US-Serien – auch wenn meine eigene Auswahl eine leicht andere ist. Tolle (US-)Fernseh-Serien ersetzen denn auch immer öfter die anspruchsvolle Buch-Lektüre. Zum Lesen ist man – gerade abends nach einem anstrengenden Arbeitstag – oft zu müde bzw. die Augen wollen sich von der kurzen Seh-Distanz erholen. Serien können als visuelle Version eines Fortsetzungs-Romans verstanden werden, wobei einzelne Episoden Roman-Kapiteln gleichen. Mit dem Vorteil, dass die TV-Serien meist erst dann enden, wenn der Zuschauer nicht mehr interessiert ist.

Selbstverständlich beschränken sich die TV-Highlights nicht nur auf US-Serien – sie treten dort nur in bemerkenswerter Dichte & Themen-Vielfalt auf. Auch im deutschsprachigen Fernseh-Raum werden – in fast allen Bereichen – immer wieder herausragende Produktionen realisiert. So trifft man öfter mal auf interessante Dokumentationen aller Art, Hintergrund-Berichte aus Politik & Wirtschaft, anregende Kultur-Beiträge, Sehenswertes aus dem Unterhaltungs-Bereich, tolle Comedy-Formate und manch andere Highlights.

Aber vor dem Hintergrund der riesigen Menge an produzierten & aufgewärmten TV-Inhalten bzw. der gewaltigen Mittel, die insgesamt zur Verfügung stehen (trotz Dauer-Jammern der Verantwortlichen …), sind es erschreckend wenig tolle Inhalte. Und ich rufe an dieser Stelle gerne in Erinnerung, dass im deutschsprachigen Raum durchschnittlich 3 ½ – 4 Stunden täglich (!) Fernsehen geschaut wird. Allen Unkenrufen und aller Internet-Konkurrenz zum Trotz. Die meisten Menschen zieht es einfach vor den grössten Bildschirm im Haus und das ist – Bingo – der Fernseher.

Natürlich darf man nicht ans gesamte Fernseh-Programm hohe Ansprüche stellen. Und natürlich ist es früher nicht besser gewesen.

Früher gab es viel weniger Kanäle und viel weniger Sende-Zeit, entsprechend weniger TV-Schrott und weniger Werbung. Alles war einigermassen übersichtlich: Hier die Tagesschau, dort der Sport, am Freitag ein Krimi, die grosse Samstag-Abend-Show, zuweilen ein interessanter Film. Aber früher gab es auch wenig Entwicklung, wenig Experimente & Innovation und infolgedessen wenig TV-Highlights. Die berühmte Schere hat sich auf beide Seiten geöffnet – in Richtung „Hochgebirge“ wie auch in Richtung „Seichtgebiete“ (ein schöner Begriff des deutschen Autors & Journalisten Michael Jürgs). Viele der besten Sendungen stammen aus den letzten Jahren. Und viele der schlechtesten Formate ebenso, keine Frage, da packt einen manchmal das nackte Entsetzen vor der Mattscheibe. Aber jeder, der sich intensiver mit dem TV-Programm der letzten Jahrzehnte befasst hat (wie ich z.B. für ein Buch) weiss: Früher war bestimmt nicht alles besser. Nicht einmal gut. Heute gibt es einfach viel mehr von allem: Viel mehr Fernseh-Kanäle und viel mehr Sende-Zeit, eine kaum mehr überschaubare Menge an Sendungen für alle möglichen & unmöglichen Ziel-Gruppen – und auch ein gewisser Überdruss seitens der TV-Konsumenten.

Früher war der Zuschauer einfach da – auf einem von drei Kanälen. Dann kamen Schritt für Schritt immer mehr Sender dazu, und heute versucht eine dreistellige Anzahl Kanäle, dem Zuschauer ihr Menü schmackhaft zu machen. Das passiert natürlich nicht nur mit Filet-Stücken, da müssen auch massenhaft weichgekochte Nudeln aus dem Sonder-Angebot herhalten. Da muss jede Menge billige, seichte Sende-Zeit produziert werden. Und da überwiegt oft die Wahrnehmung, heutzutage werde man auf allen TV-Kanälen nur noch mit unerträglichem Schrott zugemüllt. Aus dem Mund der Fernseh-Macher klingt das natürlich anders, da weist man gerne darauf hin, dass in stressigen Zeiten wie den unseren stressfreie Unterhaltung nicht nur ein Bedürfnis vieler Menschen, sondern fast schon Verpflichtung sei.

Journalist & Autor Alexander Kissler gibt allerdings zu bedenken: „Studien deuten darauf hin, dass dem Fernsehen sehr leicht die Realitäts-Behauptung geglaubt wird. Die Machart setzt sich gegenüber dem Inhalt durch, und man denkt in einem ersten spontanen Wahrnehmen, gleichsam unwillkürlich, das Geschaute könnte real sein. Alleine dadurch kann ein dauerhafter Konsum solcher Sendungen (Anmerkung: „Scripted Reality Doku Sh!t" und ähnliches …) unseren Begriff von Wahrhaftigkeit nachhaltig verändern.“

Im heutigen Fernseh-Geschäft dominieren 2 Regeln:

1. Kopieren geht über Probieren:
Erfolgreiche Formate übernehmen & billiger produzieren

Entweder man übernimmt ein erfolgreiches in- oder ausländisches Format ganz offiziell oder man bastelt eine leicht veränderte „Eigen-Produktion“. Bei der legalen Adaption belaufen sich die Kosten für Format-Lizenzen auf etwa 5 – 15% des Gesamt-Budgets einer Sendung (selbst entwickeln ist in der Regel deutlich teurer & riskanter). Oder man nimmt an einem erfolgreichen Format leichte Veränderungen vor und gibt die Adaption dann als Eigen-Entwicklung aus – die häufigste & billigste Variante.

2. Kalkulation vor Innovation:
Risiko-Vermeidung hemmt kreative Entwicklung

Der spürbare Mangel an Kreativität, Innovation, Mut & Engagement im deutschsprachigen Fernsehen – insbesondere im Bereich Unterhaltung – ist nicht zuletzt auch system-bedingt. Bei den Öffentlich-Rechtlichen muss man in vielen Bereichen von „Beamten-Fernsehen“ sprechen: Jede Menge Chef-Redakteure, Direktoren, Intendanten & Gremien aller Art wollen ein Wörtchen mitreden. Und auch die Privat-Sender, die sich rühmen, „Vielfalt, Qualität und Wettbewerb“ (O-Ton RTL) in die Fernseh-Landschaft gebracht zu haben, sind nicht viel risiko- & innovations-freudiger: Beim kommerziellen Fernsehen (und nicht nur dort …) sind rendite-orientierte Manager mit gut trainierten Abwehr-Reflexen am Drücker, die in erster Linie mögliche Risiken ausschliessen wollen. Kurzfristig geht diese Rechnung auf. Die beste längerfristige Zukunfts-Sicherung eines Fernseh-Senders ist allerdings ein gutes, innovatives Programm. Denn früher oder später haben sich die Zuschauer/innen erfahrungsgemäss an (fast) allem satt gesehen.

Imke Arntjen, Geschäftsführerin einer Berliner Internet-Casting-Agentur, spricht Klartext: „Heute haben die Fernseh-Macher keinen Mut mehr. Man klaut die Ideen von den anderen, weil die gute Quoten haben und alle auf ihren Stühlen sitzen bleiben wollen. Sobald etwas gut läuft, wird es 20‘000 mal kopiert und dabei immer trashiger. Es ist preiswert herzustellen, es ist industrialisiert.“

Am schönsten hat es vielleicht Autor & Journalist Michael Jürgs ausgedrückt: „Schmerzensgeld & Schmutz-Zulagen in solchen Jobs verpflichten manchmal zu schmerzlichen, schmutzigen Entscheidungen.“

Würde man – rein theoretisch natürlich – von heute auf morgen auf allen Kanälen auf Qualitäts-Programme umstellen wollen, so wäre nach kürzester Zeit das Pulver verschossen bzw. im wahrsten Sinne des Wortes versendet. Ein genereller Qualitäts-Anspruch scheitert unmittelbar an der Menge der zu produzierenden Inhalte für die viele Sende-Zeit auf den zahlreichen Kanälen. Was natürlich nicht heisst, dass man sich nicht punktuell für Qualität stark machen sollte – vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Fernseh-Anstalten, die ja gemäss Rundfunk-Staatsvertrag zu Qualität & Relevanz verpflichtet sind. Pardon: wären …

Was also tun? Wo es so viele interessante & anregende Inhalte gibt, die man den Zuschauer/innen näherbringen könnte. So viele Bereiche, wo unsere Gesellschaft seltsame Wege eingeschlagen hat – gewiss nicht zum Wohle der Menschen – und wo es sich lohnen würde, über Alternativen nachzudenken. So viele Fragen, die man sich als engagierter Bürger stellen könnte und sollte. So viele Themen für einen inspirierteren & lebenswerteren Alltag.

Hier nur ein paar Beispiele:

Ist es nicht bizarr, dass man in der Schule viel zu viel von jenem Stoff hineinbeigt, den man innert kurzer Zeit wieder vergisst? Ist es nicht verrückt, wie schnell es ruhig wird, wenn wir eine Stopp-Uhr nehmen und mal testen, wie viel wir noch von gewissen Schul-Fächern wissen, mit denen wir uns jahrelang abgemüht haben? Legen Sie mal los – zum Beispiel zum Thema Chemie. Oder Physik. Oder Biologie. Oder sonst etwas. Sie können alles sagen, was Ihnen zu einem bestimmten Fach einfällt, egal was: Stopp-Uhr drücken und los geht’s!

Ist es nicht skurril, dass wir in der Schule andererseits so wenig darüber lernen, wie man das Leben lebenswert(er) gestaltet? Einen Tag intensiv zu leben ist schon ein ernsthaftes Projekt …

Ist es nicht unsinnig, wie hoch wir Schul-, Ausbildungs-, Universitäts- und anderes institutionalisiertes Lernen & Wissen einstufen – und wie niedrig andererseits das viel umfangreichere Wissen & Können, das wir uns Tag für Tag selber im Alltag aneignen, wenn wir interessiert, engagiert und lernbereit durchs Leben gehen? Und ist es nicht völlig bescheuert, wie sehr unsere Identität an institutionalisierten Abschlüssen mit Brief & Siegel hängt und wie wenig an unserem effektiven Können & Wissen und an unserer effektiven Weisheit & Erkenntnis?

Ist es nicht erschreckend, dass von den heutigen Medien-Inhalten in Print (Zeitungen, Zeitschriften etc.), Internet und Fernsehen keine 5% mehr auf Journalismus entfallen? Und dass PR im weiteren Sinne (also bezahlte/gesponserte Beiträge aller Art) über 50% der redaktionellen (!) Inhalte ausmacht? Und dass jede Menge sogenannter seichter Content eine globale Zerstreuungs-Kultur geschaffen hat, die mit spassigen Banalitäten den Alltag der Menschen schmiert? Dass uns jede Menge Hoppsassa & Tralalarund um die Uhr beschäftigt hält und sehr erfolgreich von den wirklich relevanten Themen ablenkt?

Ist es nicht seltsam, dass uns die vielen vordergründig hilfreichen Applikationen & Gadgets auf Computer & Handy eigentlich Zeit & Energie sparen sollten – sehr oft aber das pure Gegenteil bewirken? Dass uns die ganze digitale Informations-Flut bzw. der ganze Informations-Müll zunehmend überfordert? Dass wir daraus nur schlecht Wissen und letztlich Weisheit generieren können? Und dass uns viele Social-Media-Plattformen unter dem Strich eher stressen, weil wir uns mit so vielen „Fassaden“ und Vergleichen konfrontiert sehen, die uns wenig erheitern?  

Ist es nicht einfach nur absurd, wie weit sich die Politik von ihrem eigentlichen Zweck entfernt hat, nämlich davon, Rahmenbedingungen für eine lebenswertere Gesellschaft zu erarbeiten? Ist es nicht grotesk, dass wir es heute (fast) nur noch mit Interessen-Vertretern zu tun haben – Interessen-Vertretern der Wirtschaft oder anderen Interessen-Gemeinschaften? Mit Taktierern & Paktierern, Lobbyisten, Opportunisten, Speichelleckern, Klinkenputzern etc. – aber kaum mehr mit Volks-Vertretern? Dass wir in einer puren „Lobbyisten-Demokratie“ leben? Mit allen möglichen „Politik-Darstellern“, die sich neben ihren Eigen-Interessen um überschaubare „Stellvertreter-Themen“ kümmern, weil ihnen die echten komplexen Problematiken längst entglitten sind? Und die letztlich nichts anderes sind als ein kleines opportunistisches Rädchen in der riesigen globalen Ablenkungs-Maschinerie. Die sich – wie Kabarettist Volker Pispers so schön sagt – nicht einmal mehr vor ihrem eigenen Ersprochenen ekeln.

Ist es nicht schwer verständlich, dass wir mit Wirtschafts-Instrumenten des 20. Jahrhunderts den Problemen des 21. Jahrhunderts begegnen wollen? Dass wir auf Rezepte aus der Nachkriegs-Zeit – die damals durchaus ihre Berechtigung hatten – zurückgreifen, um unsere heutige Welt zu lenken, die zu grossen Teilen von Sättigung geprägt ist und neuer Denk-Ansätze bedarf? Ist es nicht wunderlich, dass wir in einer Welt der endlichen Ressourcen immer noch von endlosem Wachstum sprechen und diese ökonomischen Wachstums-Modelle auch heute noch ernsthaft lehren & verteidigen?

Ist es nicht abwegig, wie weit bei so vielen Menschen Beruf & Berufung auseinander liegen? Ist es nicht sonderbar, wie viele Leute morgens in einen weiteren Arbeitstag aufbrechen, von dem sie genau wissen, dass es nicht der ihre ist? Von dem sie genau wissen, dass er zwar eine ordentliche Existenz-Grundlage darstellt, aber darüber hinaus eigentlich Verschwendung von Lebens-Zeit & -Energie ist? Dass sie über weite Strecken des Tages das Gefühl haben, nicht zu leben, sondern gelebt zu werden?

Ist es nicht eigenartig, dass wir immer mehr über Ernährung wissen, unser Essen aber trotzdem immer mehr E-Nummern & andere schädliche Inhaltsstoffe enthält? Ist es nicht sonderbar, dass auf (fast) allen Fernseh-Kanälen gekocht wird, bis einem das Wasser in den Beinen zusammenläuft – dass aber zu Hause nur noch in jedem dritten Haushalt regelmässig gekocht wird bzw. frische Mahlzeiten zubereitet werden? Ist es nicht befremdend, dass die meisten Menschen nicht in der Lage sind, ein paar schnelle, einfache, gesunde und schmackhafte Gerichte (ja, es gibt die tolle 5-Minuten-Küche!) zuzubereiten?

Ist es nicht kaum begreifbar, dass die Gesundheits-Kosten Jahr für Jahr weiter steigen und trotzdem so viele Menschen krank, ausgebrannt & depressiv durchs Leben schleichen? Ist es nicht absurd, dass die moderne Schul-Medizin, der wir so viel zu verdanken haben, heute so häufig übers Ziel hinaus bzw. mit Kanonen auf Spatzen schiesst? Ist es nicht hochgradig verantwortungslos, Menschen oft genug mit unnötigen Medikamenten vollzustopfen – so dass sie unter Umständen nie mehr von Schmerz-Tabletten, Beruhigungs-Mitteln oder Anti-Depressiva runterkommen? Oder haben Sie etwa Bekannte, die ihre Anti-Depressiva wieder absetzen konnten? Eben.

Ist es nicht kurios, dass in so vielen Bereichen des Lebens Wasser gepredigt & Wein getrunken wird? Dass wir z.B. von einer 2000-Watt-Gesellschaft schwadronieren, aber riesige ökologische Fuss-Abdrücke hinterlassen und weder bereit sind, auf unsere grossen Wohnflächen noch auf unsere Hyper-Mobilität zu verzichten? Hat sich mal jemand überlegt, dass das 2000-Watt-Ziel nicht einmal von einem Studenten erreicht wird, der in der WG ein einziges privates Zimmer bewohnt, kein Auto besitzt und auch keine Flug-Reisen unternimmt?

Ist es nicht albern, wie sehr wir uns in einer Welt der zunehmenden Globalisierung, Schnelligkeit, Komplexität, Korruption etc. ins Privat-Voyeuristische zurückziehen? Ins kleine private Umfeld mit Familie, Freunden, Bekannten & Haustieren, das sich noch einigermassen überschauen & kontrollieren lässt? Und wo wir gerne einen voyeuristischen Blick zum Nachbarn oder auch zu den lieben Prominenten (in den Medien) wagen, die ja mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wie wir? Und wo wir uns einbilden, nur ein privater Natur-Genuss sei auch ein guter – sprich ein eigenes Grundstück mit „Hüsli“ und Hag/Zaun/Hecke drum herum, alles schön ein- & abgegrenzt? Zersiedelung, aber hallo, das sind natürlich die anderen …

Ist es nicht traurig, dass für die meisten Menschen eine schöne Partnerschaft (welcher Art auch immer) zum Lebens-Glück gehört – und dass es trotzdem so viele Paare nicht schaffen, ihre Beziehung lebendig & erfüllt zu erhalten? Und ist es nicht ironisch, dass so wenig Menschen mit ihrer grossen Liebe glücklich werden, weil letztlich so wenig Menschen überhaupt mit ihrer grossen Liebe zusammen sind?

Ist es nicht komisch, dass wir ständig von „Positiv-Denken“ sprechen und die meisten von uns keine Ahnung haben, wie es wirklich in unseren Köpfen aussieht? Wie viel wir denn so im Durchschnitt tatsächlich positiv denken an einem Tag? Und wie es mit unserem übrigen Denken ausschaut? Und ob es überhaupt Sinn macht, sich zum ständigen „Positiv-Denken“ zu forcieren? Oder ob das vielleicht eher ein Schnitt ins eigene Fleisch ist?

Ist es nicht merkwürdig, dass wir zwar alle wissen, dass die (angstfreie) Präsenz den Dreh- & Angelpunkt unserer Existenz darstellt, dass wir ständig die frohe Botschaft vom Leben im Hier & Jetzt und vom Geniessen des Augenblicks um die Ohren geschleudert kriegen – sich die viel gepriesene „Leichtigkeit des Seins“ aber trotzdem nur so schwer einstellen will? Und wir uns viel häufiger mit Angst & Zweifeln konfrontiert sehen? Auch wenn wir genau wissen, dass ein Leben in Angst nur ein halbes Leben ist …

Ist es nicht grotesk, dass wir in der Werbung praktisch nur fitte, aktive, unternehmungslustige & konsumkräftige „Neue Alte“ sehen, sogenannte „Best Ager“, „Golden Ager“, „Silver Spender“, „Generation 50+“ etc.? Und dass die vielen kranken, pflegebedürftigen, dementen Senioren/innen weitgehend aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit herausgenommen werden in unserer GmbA (= Gesellschaft mit betreutem Ableben)? Ist unser Pflege-System nicht selber ein kranker Pflege-Fall?

Ist es nicht verrückt, wie wir auch Sterben & Tod aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit herausgenommen haben und viele Erwachsene noch nie einen echten Toten gesehen haben? Wo doch an den Bildschirmen (TV, Internet etc. und am krassesten in Games) andauernd getötet & gestorben wird und es an Leichen nur so wimmelt?

Ist es nicht wunderlich, dass früher so viele Menschen religiös waren und heute so viele – auf die eine oder andere Weise – spirituell? Dass die Menschen aber das grosse weite Feld der Spiritualität nur schwer aushalten und sich wieder schrittweise in Richtung Einschränkungen bewegen? Und damit letztlich in jene Richtung zurückgehen, aus der sie gekommen sind? Auf esoterischen (besonders die Damen) und anderen Pfaden – und am Ende wieder gleichermassen hoffnungsvoll von Gott & Engeln & Energie sprechen wie einst als kleine Kinder in der Sonntags-Schule?

Ist es nicht sonderbar, dass auch Menschen ewig leben wollen, die kaum wissen, was sie mit sich anfangen sollen an einem verregneten Sonntag Nachmittag?

Und so weiter …
Und so fort …

So viele Themen, die man näher beleuchten müsste … von verschiedener Seite … wo man Alternativen aufzeigen sollte, die man gehen könnte … oder über die es sich zumindest lohnen würde nachzudenken.   

Drehbuch-Autor, Schriftsteller & Kolumnist Charles Lewinsky sagt so schön: „Fernsehen ist kein elitäres Medium. Aber es gibt zwischen totaler Volks-Verarschung und elitärem Gesabbel noch mehrere Zwischen-Stufen.“

Ich sammle seit Teenager-Zeiten interessante Inhalte verschiedener Art, inspirierende Themen & Texte aus ganz unterschiedlichen Lebens-Bereichen, amüsante & skurrile Geschichten aus dem Alltag, anregende Ideen & Bilder und anderes mehr – eine Basis für weiterführende eigene Auseinandersetzungen mit diesen Themen. Was ist das Verbindende zwischen den einzelnen Lebens-Bereichen und Wissens-Gebieten? Was ist das Elementare & Ganzheitliche unserer Existenz – und darüber hinaus? Wie bringt man Menschen die Kraft & Schönheit erhellender Inhalte & Erkenntnisse näher? Und ich schreibe seit langem über Themen, die ich persönlich als wichtig erachte und die vielleicht ein bisschen beitragen können zu einem beschwingteren Denken & Handeln, einem besseren Alltag und einer lebenswerteren Gesellschaft (u.a. in diesem Blog).

Also hab‘ ich mir gesagt: Du stehst zwar ungern im Mittelpunkt – bist aber nicht schüchtern, nicht auf den Mund gefallen und hast sehr viel zu sagen und weiterzugeben. Du bist nicht besonders bekümmert um dein Selbstbild & Image etc. und du kennst kein Lampenfieber. Erinnere dich an dein Lebens-Motto: „TUN – Glück schreibt man mit 3 Buchstaben.“ Und warte nicht, bis du unter der Erde (wie deine Mutter seit langer Zeit) oder in die Demenz abgedriftet (wie dein Vater seit längerem) bist. Ein Weg entsteht, indem man ihn – beizeiten – geht.

Jetzt setz‘ dich einfach mal ins Fernsehen und versuche den Menschen ein paar interessante Inhalte näher zu bringen. Wag‘ dich mal an eine eigene handgestrickte Low-Budget-Produktion. Und rede über Themen, die dir wichtig sind und wo die Zuschauer/innen vielleicht ein bisschen Inspiration & Anregung mit hinübernehmen können in ihren eigenen Alltag, in ihr eigenes Leben. Als Basis für weiterführende Überlegungen ihrerseits

Ist man bei den Öffentlich-Rechtlichen angestellt, sitzt man sozusagen in der „medialen Hängematte“. Natürlich ist diese Hängematte nicht für jeden gleichermassen bequem, aber sie kann doch den einen oder anderen ganz schön zum Ab- & Durchhängen verleiten. Abhängen mit ordentlichem Einkommen, Sozial-Leistungen, Altersvorsorge und den üblichen Annehmlichkeiten. Auch die Mitarbeiter/innen grosser Privat-Sender sind in der Regel Angestellte oder arbeiten als Freischaffende, freie Berater, im Auftrags-Verhältnis (oder ähnlich) mit. Zu unterschiedlich guten Bedingungen, klar – aber in der Regel bezahlt. Bekanntere Gesichter lassen sich für gutes Geld überdies auch gerne für allerlei Veranstaltungen buchen – von der Gala des Hundezüchter-Vereins über das Jahres-Treffen der Christlich-Sozialen-Lobbyisten-Partei, die Image-Kampagne des Grossverteilers bis hin zum Banken-Seminar in lauschiger Umgebung

Auf der anderen Seite ist Fernsehen heute eine „JeKaMi-Veranstaltung“ (Jeder-Kann-Mitmachen) – wenn man bereit ist, selber in die Tasche zu greifen.

Heutzutage kann man bei verschiedenen – insbesondere kleineren – Privat-Sendern Sende-Zeit kaufen und diese nach eigenen Vorstellungen mit Inhalten befüllen. Gebrauch davon machen vor allem Tele-Shopping- & Esoterik-Anbieter mit sogenannten „Dauer-Werbe-Sendungen“. Diese Anbieter kaufen Sende-Zeit zu Randzeiten ein. Zu später Stunde gesellen sich dann noch Erotik- & Spiele-Anbieter hinzu. Solche kommerziellen „Fenster“ generieren zwar Einnahmen für die Privat-Sender und liefern Inhalte für die 24 Stunden Sende-Zeit, die es täglich zu befüllen gibt – aber damit baut man natürlich kein Sender-Profil auf. Ganz im Gegenteil: Man hat schnell mal den Ruf eines Shopping- bzw. Esoterik-Kanals weg.

Also ist man froh, wenn man auch ein bisschen Sende-Zeit an Privat-Personen, Stiftungen, Interessen-Gruppen, Parteien, Firmen oder andere Interessierte verkaufen kann. Diese kaufen dann genauso Sende-Zeit ein wie beispielsweise ein Esoterik-Anbieter und können während dieser Zeit ihre eigenen Inhalte „versenden“. Und noch froher ist man, wenn diese Kunden ein nettes eigenes Programm auf die Beine stellen, das nicht in erster Linie eine Erweiterung der ohnehin schon reichlich vorhandenen „Werbe-Fenster“ darstellt.

Insbesondere kleine Privat-Sender ohne „Subventionen“ irgendwelcher Art sind auf diese Art der Mit-Finanzierung angewiesen. Öffentlich-rechtliche Sender können ihre Budgets dank sprudelnder Fernseh-Gebühren auf (hohe) feste Einnahmen stützen und mit Werbung noch ordentlich dazu verdienen. Vom Gebühren-Segen profitieren auch andere Sender – in der Schweiz etwa regionale Privat-Kanäle wie Telebasel, TeleBärn, Tele 1, Tele M1, Tele Top & Co. Wirklich privat sind diese Sender nicht, der Grossteil ihrer Kosten wird durch Gebühren-Gelder gedeckt, den Rest müssen sie mit Werbung dazu verdienen – eine recht komfortable Ausgangslage.    

Die übrigen Schweizer Privat-Sender sind wirklich privat und müssen sich daher hauptsächlich über Werbung finanzieren. Oder eben über den erwähnten zusätzlichen Verkauf von Sende-Zeit an Dritte. Das bietet ihnen oftmals auch programm-technisch eine willkommene & bequeme Abwechslung.

Der Preis für selbst gemachtes, handgestricktes – „hand-knit(ted)“, wie im Titel angedeutet – Fernsehen hängt von verschiedenen Faktoren ab: Sender (Grösse, Image, Zuschauer-Reichweite etc.), Sende-Zeit, Anzahl Sendungen, Live oder Aufzeichnung, Aufnahme am Stück oder in Sequenzen, Studio oder Aussen-Aufnahmen, Aufwand für Maske (Äusseres), genereller Aufwand der Sendung, technischer & grafischer Aufwand, Kosten für Musik, Trailer, Vor- & Abspann, Aufwand der Nach-Bearbeitung, Aufwand für Redaktion, Organisation & Administration, Aufwand für allfällige Gäste, Aufwand für Internet-Begleitung (Homepage, YouTube etc.), Marketing-Aufwendungen und anderes mehr.

Die günstigste Art des Fernseh-Machens ist Folgende: Einfache kleine Studio-Kulisse ohne Zuschauer, hinsetzen (alleine, zu zweit oder in kleiner Runde), beherzt loslegen und alles am Stück aufnehmen!

Genau so habe ich es dann auch gemacht mit meinem Sommer-TV-Programm 2013 „Sonnendeck TV“ auf dem kleinen Schweizer Privat-Sender Schweiz 5. Ob live oder Aufzeichnung fällt finanziell kaum ins Gewicht, wenn man in einer kleinen Studio-Kulisse sitzt, alles an einem Stück aufnimmt (mit zwei, drei fixen Kameras) und entsprechend auch praktisch keine Nach-Bearbeitung anfällt. Am liebsten mag ich persönlich live, habe auch die meisten Sendungen live gemacht – aber bei „Sonnendeck TV“ wäre es für manche Gäste zu spät geworden, wenn sie erst nach 11 Uhr abends das nicht gerade zentral gelegene Studio in Langenthal hätten verlassen können.

Heute wird im Fernsehen sehr viel in einzelnen kurzen Sequenzen aufgenommen. Mit oder ohne Teleprompter (= für Zuschauer unsichtbares Ablesen direkt in die Kamera). Man nimmt ein paar Sätze auf, bis sie mehr oder weniger perfekt sitzen. Dann kommt die nächste Sequenz, wird so lange aufgenommen, bis sie sitzt. Und so weiter und so fort. Und hinterher wird in der Nach-Bearbeitung alles schön zusammengeschnitten und der Eindruck einer zusammenhängenden Sendung erweckt.

Das dauert natürlich entsprechend länger und ist aufwändiger & teurer. Ich habe die Sendungen grundsätzlich am Stück aufgenommen – rund eine Stunde lang ohne Rücksicht auf Versprecher oder Passagen, wo ich im Nachhinein dachte: Das hättest du noch ein bisschen besser erklären bzw. darstellen sollen, hier hättest du noch dieses oder jenes relevante Argument einbringen können, da hättest du weniger mit den Händen/Armen fuchteln sollen, dort ist dein Gast ein bisschen zu stark vom Thema abgedriftet und so weiter. Denn im Grunde war/ist mir das nicht so wichtig. Viel wichtiger finde ich ein lebendiges, offenes, nicht inszeniertes Gespräch. Wo sich jeder für sich intensiv mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzt und seine Vorbereitungen trifft – wo dann aber in der Sendung etwas Neues, Gemeinsames, Unvorbereitetes entstehen kann. Meinen Gästen habe ich versichert: Sagt, was ihr sagen wollt (jenseits von plumper Eigen-Werbung …). Ich lasse kein Wort rausschneiden – ob es mir passt oder nicht.

Denn es ist doch so: Wenn ich bei einer Sendung den genauen Ablauf kenne, jeden meiner Sätze und jedes Argument meines Gegenübers schon im Voraus weiss: Muss ich dann überhaupt noch dabei sein? Muss da nicht – bei aller Vorbereitung – Raum bleiben für Unvorhergesehenes?

Wenn ich mit jemandem spreche im ganz normalen Leben, kann ich ja auch nicht sagen: Halt, ich nehm‘ zurück, was ich gerade gesagt habe, dreh‘ die Zeit ein bisschen rückwärts und mach‘s besser! Ich kann nicht sagen: Stopp, ich hab‘ mich gerade versprochen, ich setz‘ nochmal ein paar Sekunden früher an. Oder: Sorry, da ist mir was rausgerutscht, ich mach’s mal schnell ungesagt. Warte einen Moment, ich schau‘ rasch auf meinem Zettel nach, was ich dir noch sagen wollte. Nein, stopp, ich schalt‘ gleich den Teleprompter ein, dann kann ich meine Meinung druckreif ablesen.

Mit anderen Worten: Mehr Inhalt und weniger Inszenierung!
Mehr interessante, anregende & bereichernde Themen!

Mehr Mut & Engagement & Horizont-Erweiterung!

Ein paar interessante Themen konnte ich in den vergangenen Wochen & Monaten aufgreifen und hoffentlich die eine oder andere nützliche Anregung weitergeben. Leider ist die Stunde immer viel zu rasch verflogen, es war immer viel zu kurz für die gewählten ausufernden Themen Und auch der Sommer war viel zu kurz für all die weiteren tollen Themen, die ich noch gar nicht aufgreifen konnte Aber der Sommer ist bekanntlich immer zu kurz …

Regisseur & Drehbuch-Autor Dieter Wedel meint: „Wenn Menschen zu faul zum Kauen sind, muss man sie auch hin und wieder zum Kauen zwingen. Man darf ihnen nicht immer nur Breichen servieren, sonst fallen ihnen die Zähne aus – und wir haben ein Publikum, dem allmählich die Zähne wackeln.“

Ja, die Zähne wackeln bedenklich …

Michael Mittermeier hat in den eingangs zitierten Passagen in erster Linie aufwändige(re) neue Serien- & TV-Film-Experimente angesprochen, für welche mehr (Gebühren-)Gelder zur Verfügung gestellt werden sollen. Denn tolle Filme & Serien haben natürlich ihren Preis.

Einfache Low-Budget-Produktionen wie „Sonnendeck TV“, also Fernsehen von Menschen für Menschen, können indessen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem „Porto-Kässeli“ der Sender bezahlt werden.

Ich könnte jetzt noch ausführlich von den zahlreichen Schwierigkeiten berichten, die einem so ins Gesicht blasen, wenn man selber ein TV-Programm auf die Beine stellt. Manches davon ist nur schwer zu glauben. So hatte ich etwa in der zweiten Sendung das Thema „Bitte einen Schluss-Applaus!“ vorgesehen, wo ich mit einem Gast über mehr Menschlichkeit im Bereich Sterben & Beerdigungen sprechen wollte. Kurz vor der Sendung erreichte ihn ein sehr schwerer Schicksalsschlag auf genau diesem Gebiet. Ich habe natürlich sofort das ganze Programm umgestellt und meinen Mann gebeten, das Thema in einer späteren Sendung mit mir zu besprechen. Mein Mann ist übrigens auch in der allerersten „Sonnendeck“-Sendung kurzfristig für einen weiteren „Ausfall“ eingesprungen – bei deutlich über 30 Grad im unklimatisierten Studio (Sauna-Effekt hinter Glas-Wänden am bis dahin heissesten Tag des Jahres). Er hat sich alles andere als darum gerissen, nicht nur der Hitze wegen (merci nochmals …). Auch die harte Sitzbank bereitete einigen Gästen mit Rücken-Problemen Schwierigkeiten – anfänglich auch mir selber aufgrund eines Bandscheiben-Vorfalls. Eigentlich hatte ich ja in einem Katalog ein anderes Holz-Bänkli bestellt mit dem schönen Schriftzug „Lieblingsplatz“ aus hölzernen Buchstaben – aber die Lieferung hatte sich um viele Wochen verzögert, weil irgendwo in Asien die Buchstaben falsch aneinandergereiht worden waren und der ganze Container mit den fehlerhaften Bänkli vom Händler retourniert werden musste. So sassen wir dann im wahrsten Sinne des Wortes auf der Ersatzbank.

Natürlich gäbe es noch von vielen weiteren Vorkommnissen & Schwierigkeiten zu erzählen – viel Lustiges, Trauriges, Nerviges, Absurdes & Skurriles hinter den Kulissen …

Schwierig ist es natürlich auch, Unterstützung irgendwelcher Art für eigene Projekte zu bekommen – sei es nun über Sponsoring oder Spenden („Was? Fernsehen? Dafür gibt’s doch haufenweise Gebühren- & Werbe-Gelder …“) oder über Werbung („Wir sind schon interessiert an sehr günstigen Werbe-Möglichkeiten in passendem Umfeld – aber wir buchen alle unsere Werbe-Massnahmen im Paket“). In der Tat wickeln die allermeisten Firmen ihre Werbe-Aktivitäten im „Paket“ ab – in der Schweiz etwa über TV-Werbe-Vermarkter wie Publisuisse, Belcom oder Goldbach Media. Dort wird dann ein sogenanntes Paket geschnürt mit den ausgewählten Fernseh- & Radio-Sendungen etc., bei welchen die Werbung im gewünschten Umfang geschaltet werden soll. Trotz Mengen-Rabatt natürlich immer noch sehr viel teurer (pro Zuschauer/in in der gewünschten Ziel-Gruppe) als beim „handgestrickten“ Fernsehen, wo man Werbung für ein dickeres Butterbrot schalten und bei Bedarf auch gleich selber produzieren kann. Aber mit den etablierten Paket-Lösungen hat man praktisch keinen Eigen-Aufwand und kennt alle Abläufe – und das ist für die meisten das Wichtigste. Immer schön so, wie man es immer gemacht hat …

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Werbung. Werbung für vertretbare Produkte & Dienstleistungen, wohlgemerkt. Und Werbung, die für den Zuschauer klar als Werbung erkennbar ist. Was mich hingegen ungemein stört ist die heute allgegenwärtige versteckte Werbung in den Sendungen – praktisch überall werden Produkte & Dienstleistungen in verschiedener Art & Weise integriert. Gegen gutes Geld, versteht sich. Aber nicht wirklich als Werbung/PR erkennbar für die meisten Zuschauer/innen …

Und so soll es ja bitteschön auch sein, wo die Menschen doch bei der klassischen Unterbrecher-Werbung immer öfter weg-zappen. Dann kriegen die Dödels die Werbung halt in den Sendungen aufs Auge & Ohr gedrückt, so die Marketing-Manager. Die entwischen uns nicht … und siehe da, es funktioniert prächtig …

Student Masiar Firouzi aus Italien bemerkt ganz treffend: „Das Fernsehen hat aus meinem Land ein Land von Zuschauern gemacht. Wir sind Zuschauer des eigenen Lebens. Wir sitzen da und schauen, was mit uns passiert. Wir handeln nicht mehr, wir reagieren nicht, wir sitzen einfach da – ohne Remote Control.“

Bei uns ist es auch bald soweit …

„Flach-Bildschirme sind der Beweis: Die Geräte haben sich dem Niveau des Programms angepasst“, so die deutsche Satire-Sendung „NDR Kanzler-Amt Pforte D“.

Es ist völlig unverständlich, weshalb gerade die etablierten Fernseh-Sender mit ihren dicken Gebühren- und/oder Werbe-Töpfen nicht viel mehr tolle Unterhaltung & anregende Horizont-Erweiterung machen. Weshalb die Risiko-Vermeidung so alles zu beherrschen scheint in der heutigen Fernseh-Landschaft.

Kreativität & Innovation brauchen ein gewisses Umfeld, eine bestimmte Unternehmens-Kultur, einen gewissen Spielraum, um sich entfalten zu können. Innovative Ideen brauchen den Freiraum, bei der praktischen Umsetzung das eine oder andere ausprobieren zu dürfen. Fehler machen zu können, daraus zu lernen, neue Ideen einzubringen, Varianten zu entwickeln oder allenfalls auch mal das Ganze wieder fallen zu lassen. Denn tolle innovative Produktionen existieren nur deshalb, weil eine viel grössere Anzahl Innovations-Versuche nach einer gewissen Zeit wieder aufgegeben worden ist. Nicht alles aus der Pipeline kann ein Erfolg werden. Genauso wenig wie in anderen Branchen.

Gefragt ist auf allen Ebenen mehr Risiko-Bereitschaft, mehr Mut zum Wagnis. Gefragt sind TV-Manager & Fernseh-Schaffende mit Kreativität, Fantasie, Bildung, Haltung, Engagement und dem Willen zur Veränderung.

Gefragt sind ausreichende Budgets für innovative Projekte aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Damit man nicht alle Projekte selbst vorbereiten & durchziehen muss, bevor dann im letzten Moment mit sehr viel Glück vielleicht doch noch ein Geldgeber aufspringt.

Denn wie heisst es so schön: Wer nicht vom Weg abweicht, bleibt (langfristig) auf der Strecke.

Und gefragt sind nicht zuletzt auch mündige Zuschauer/innen, die nicht jede Suppe auslöffeln, die ihnen vorgesetzt wird. Sondern ihren Blick für die Wirkungs-Mechanismen, die Trivialität und zuweilen auch Boshaftigkeit des Mediums Fernsehen schärfen.

Denn hin & wieder sind auch interessante neue TV-Formate mit besten Absichten und grossen Erwartungen ins (Quoten-)Rennen geschickt worden – und sind einen einsamen Tod durch Fernbedienung gestorben.

Das Schlusswort überlasse ich gerne Oliver Kalkofe: „Der Verstand ist das Billy-Regal des Bewusstseins. Nur aufbauen und einräumen muss man es selber. Platz ist genug da, und manche Menschen wissen ihn auch zu nutzen, indem sie die Fächer voll packen mit Büchern, Kunst, Spass, Ideen, Wissen und Erfahrungen. Andere stellen einfach ein paar rosa Porzellan-Schweine rein und klatschen in die Hände. Die Verwendungs-Möglichkeiten sind mannigfaltig.“



PS: Mehr Infos zu „Sonnendeck TV“:
http://www.besser-fernsehen.ch/sonnendeck-tv.html


PPS: „Kalkofes Mattscheibe Rekalked“– einige Empfehlungen:

Musik Rekalked
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=gR1IR1295jc

Schlager Rekalked
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=dGRuTg-i6KM

Schönheit Rekalked
http://www.youtube.com/watch?v=b2fZC52Id2w&feature=player_detailpage

Liebe Rekalked
http://www.youtube.com/watch?v=xJhIu8af7uM&feature=player_detailpage

Erotik Rekalked
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=g0eEsofSIQw

Konsum Rekalked
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=77yTi3RvMlU

Kaufen Rekalked
http://www.youtube.com/watch?v=tvQgXeGZ640&feature=player_detailpage

Telefonieren Rekalked
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=sOBTf_9MecA

Fernsehen Rekalked
http://www.youtube.com/watch?v=4P_UfOchHH0&feature=player_detailpage

Esoterik Rekalked
http://www.youtube.com/watch?v=ZHMLX0Z1wec&feature=player_detailpage

Energie Rekalked
http://www.youtube.com/watch?v=N4yCxerugr4&feature=player_detailpage

Reisen Rekalked
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=Le7KTY-CO5I

Möpse Rekalked
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=SJWqN6WXg-8

Kochen Rekalked
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=qiB0MrsWefs

Zauber-Schal Rekalked
http://www.youtube.com/watch?v=v8tWnRIISoc&feature=player_detailpage


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