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Tröstliche Gedichte zum Abschied

Der Abschied von einem geliebten Menschen ist & bleibt für mich mit einem bestimmten Song (wie schon an anderer Stelle erwähnt) und einem bestimmten Gedicht verbunden.

„Nichts bleibt, mein Herz / Und alles ist von Dauer“ ist eine lebenslange Erinnerung an meine vor 20 Jahren verstorbene Mutter. 

Und „am Ende / ganz am Ende / wird das Meer / in der Erinnerung / blau sein“ setzte einen tröstlichen blauen Punkt hinter den langen Leidensweg meines Vaters.
  


Rudern zwei ein Boot,
der eine kundig der Sterne,
der andere kundig der Winde,
führt der eine durch die Nacht,
führt der andere durch die Stürme,
und am Ende, ganz am Ende
wird das Meer
in der Erinnerung
blau sein.

Reiner Kunze
 

Nichts bleibt, mein Herz
Bald sagt der Tag Gutnacht
Sternschnuppen fallen dann
Silbern und sacht
Ins Irgendwo
Wie Tränen ohne Trauer
Dann wünsche Deinen Wunsch
Doch gib gut acht
Nichts bleibt, mein Herz
Und alles ist von Dauer

Erich Kästner


Langsame Tage
Alles überwunden
Und fragst du nicht, ob Ende, ob Beginn
Dann tragen dich vielleicht die Stunden
Noch bis zum Juni mit den Rosen hin

Gottfried Benn


Ein Jeder steht allein auf dem Herzen der Erde
Getroffen von einem Sonnenstrahl
Und schon ist es Abend

Salvatore Quasimodo


Ich gehe langsam aus der Welt heraus
In eine Landschaft jenseits aller Ferne
Und was ich war und bin und was ich bleibe
Geht mit mir ohne Ungeduld und Eile
In ein bisher noch nicht betretenes Land

Ich gehe langsam aus der Zeit heraus
In eine Zukunft jenseits aller Sterne
Und was ich war und bin und immer bleiben werde
Geht mit mir ohne Ungeduld und Eile
Als wär ich nie gewesen oder kaum 

Hans Sahl
 

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen
Die sich über die Dinge ziehn
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen
Aber versuchen will ich ihn

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm
Und ich kreise jahrtausendelang
Und ich weiss nicht – bin ich ein Falke, ein Sturm
Oder ein grosser Gesang 


Rainer Maria Rilke
 

Dieses Rilke-Gedicht hat mich übrigens zu einem eigenen Song inspiriert:

When all the final curtains fall 
Illusions tumble down the wall 
You leave behind the painful past
And time is on your side at last
You realise the present‘s worth
You feel the naked heart of earth
And see it’s all inside of you
The universe, the love, the clue
And Rilke adds, with poet‘s tongue
The hawk, the storm, the song

„Falling into Presence“:
http://www.besser-fernsehen.ch/songs.html



„Angst vor dem Tod haben doch nur Menschen, die sich nicht verwirklicht haben in ihrem Leben“, meinte der letztes Jahr im biblischen Alter von über 100 Jahren verstorbene Maler & Grafiker Hans Erni. „Sie nehmen an, dass die Erfüllung in einem jenseitigen Paradies auf sie warte. Schauen Sie aus dem Fenster auf diese Wiese und diesen Wald – die Erfüllung finden Sie doch direkt vor Ihren Augen. Wenn Sie Ihr Leben rechtfertigen können in dem, was Sie gemacht haben, dann müssen Sie sich keine Gedanken über das Danach machen. Entscheidend ist das, was Sie während Ihres Lebens verändert haben.“

Am schönsten hat es vielleicht Historiker Golo Mann ausgedrückt: „Wer sich sein Leben lang Mühe gab, wer Freude für sich und andere suchte, wer mit angeborenen Schwächen so weit wie möglich zurechtkam, wer seine Talente nicht brachliegen liess, wer an Treue glaubte und sie übte, wer half, wo er helfen konnte und helfen Sinn machte, wer einmal dies glaubte und einmal das, weil er eben ein Mensch und kein Engel war – was sollte der vom Tode fürchten?“

Und Johannes Mario Simmel hat uns folgenden schönen Satz fürs Leben hinterlassen: 

„Sollte mir jetzt was passieren, ist das meiste ausgesprochen.“

 

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